Der Ausdruck `Öffnung der Heime` meint die Orientierung und Ausrichtung der Einrichtungen an das sie umgebende Gemeinwesen. Dies sollte erfolgen im Sinne der selbstverständlichen Anerkennung einer Notwendigkeit zur Vernetzung mit der Umwelt, in welche die Einrichtung eingebettet ist – ohne dabei das hierfür notwendige Erfordernis einer reflektiven Auseinandersetzung mit sich und der Umwelt zu vernachlässigen. In diesem Sinne ist die Öffnung der Heime sowohl nach (und von) außen wie auch von (und nach) innen gemeint.
Die Öffnung nach außen beschreibt also das Bestreben der Einrichtung, Kontakte und Vernetzungen mit der Bürgergesellschaft zu intensivieren, sodass „das Außen“ in die Einrichtungen getragen wird. Dies gelingt nach Überzeugung des Autors nur durch eine Einbettung der Einrichtung in die Gemeinde und in das Quartier.
Getragen und begleitet wird die Öffnung nach außen durch eine Öffnung von innen. Die Öffnung von Innen spricht dabei das Aufbrechen des nach wie vor häufig anzutreffenden sektoralen Denkens an, hin zu einem gemeinschaftlichen Austausch. Erforderlich ist hierfür eine Änderung des Organisationsverständnisses im Sinne eines umfangreichen `Deinstitutionalisierungsbestrebens`. Dem vorausgehend zwingend stattfinden muss auf normativer Ebene die Bereitschaft und zumindest die erste Entwicklung einer die Öffnung tragender Kultur der Einrichtung und damit ggf. einhergehend ein Prozess des Perspektivwechsels der Leitenden und der Mitarbeitenden. Die Berücksichtigung des hierbei erforderlichen reflektiven Faktors im Sinne einer Auseinandersetzung und Verortung der Einrichtung mit sich selbst sowie ein entsprechender geplanter und gelenkter Kommunikationsprozess ist für das nachhaltige Gelingen der Öffnung der Heime nach Überzeugung des Autors eine Grundvoraussetzung.
Auch OELSCHLAEGEL teilt die Auffassung, dass Gemeinwesenarbeit als Arbeitsprinzip zur Veränderung von Institutionen wie dem Altersheim verwendet werden kann. So könnte eine „Öffnung der Institutionen gegenüber den Bedürfnissen und Interessen ihrer „Klienten“ zu einer Veröffentlichung der Probleme, Konflikte […]“ und damit „[…] zu Partizipation und Selbstverwaltung führen. So könnte Gemeinwesenarbeit durchaus einen Beitrag zur Entwicklung alternativer Vergesellschaftungsformen sozialer Dienste führen, oder [..] wenigstens dafür sorgen, dass Professionelle diesen Entwicklungen nicht entgegenstehen“ (OELSCHLAEGEL 2011: 73).
Dem Wunsch nach einer lebendigen und mit dem umliegenden Quartier eng vernetzten Einrichtung können unter Umständen auch Schwierigkeiten gegenüberstehen, die in ihrem Umfang und in ihrer Relevanz leicht falsch eingeschätzt werden.
So dürfte eine erfolgreiche und vor allem auch nachhaltige Öffnung der Einrichtung in der Mehrheit zu umfangreichen und tiefgreifenden Veränderungen der Einrichtung führen. Die Entscheidungen hierzu und die daraus abzuleitenden erforderlichen Maßnahmen sind zumindest auf Ebene der Einrichtungsleitung, häufig aufgrund des normativen Charakters auf Trägerebene angesiedelt – hier zum Beispiel mit Blick auf trägerweit formulierte Grundsätze des Qualitätsverständnisses.
Mit der Erkenntnis oder Einsicht, bzw. zumindest dem Einverständnis auf Trägerebene bedarf es der Bereitschaft (und nicht zuletzt auch der Möglichkeit), die erforderlichen Ressourcen zur Verfügung zu stellen.
Je nach Ausgangssituation kann die Öffnung des Heimes eine Abkehr von tief verwurzelten, tradierten Systemen bedeuten. Der Weg hin zur Gemeinwesenorientierung kann in diesen Fällen einen langfristigen und erschwerlichen Entwicklungsprozess darstellen (vergl. auch HUMMEL / STEINER-HUMMEL 1986: 7 ff). Die damit einhergehende intellektuelle Herausforderung und der dabei entstehende Bedarf an vielseitigen begleitenden kommunikativen Erfordernissen können leicht unterschätzt werden.
Dies gilt nicht nur mit Blick nach innen, sondern auch bei der Orientierung nach außen: Auch bezüglich des Umfeldes der Einrichtung gilt es, behutsam die Ausgangssituation und die Bereitschaft des Umfeldes zu erfassen. So beschreiben HUMMEL / STEINER-HUMMEL ihre zunächst sehr ernüchternden Erfahrungen über ein konzeptuell nach außen offen ausgerichtetes und lebendiges Heim, das in seinem Bestreben, integraler Bestandteil des Quartiers zu sein, zunächst in weiten Teilen an der Ablehnung der Umwelt scheiterte. So war im umliegenden Quartier „die Rede vom Heim mit seinen Extratouren, seinen unüberschaubaren Aktivitäten, seinem soziokulturellen und therapeutischen Größenanspruch“ (HUMMEL / STEINER-HUMMEL 1986: 9). In einem Fazit schließt HUMMEL mit der Überzeugung, dass gerade mit Blick auf die Verständigungsprozesse zwischen Einrichtung und der umgebenden Umwelt die Gemeinwesensorientierung ein Schlüssel zur Öffnung nach außen darstellen kann (vergl. HUMMEL / STEINER-HUMMEL 1986: 9). Hierdurch kann es gelingen, anstehende Veränderungsprozesse des Quartiers mitzugestalten und Veränderungen in der Wahrnehmung der Außenwelt proaktiv zu beeinflussen. Die Berücksichtigung der Interessen und Bedürfnisse des Sozialraums und das Schaffen von Anreiz und Nutzen für das Quartier stellt sicherlich eine mögliche gute Voraussetzung zur Integration und Vernetzung der Einrichtung mit der Umwelt dar.
