1 Hintergrund, Aufbau und Ziele der Arbeit

Die Angebotsformen im Feld der sozialen Versorgungsbereiche stehen in weiten Teilen vor umfangreichen Herausforderungen und Veränderungen. Vor dem Hintergrund des nicht mehr zu verleugnenden demografischen Wandels und gleichzeitig einhergehenden tiefgreifenden Veränderungen von gesellschaftlichen Strukturen sind Diskussionen zur Neuorientierung von Konzepten und Verfahren im Bereich sozialen Unterstützungs- und Versorgungsleistungen in weiten Teilen der Gesellschaft angelangt.

Die hierbei entstehenden Anforderungen an Kommunen und Politik werden zunehmend lauter und deutlicher formuliert. Anspruchsstellungen an tragfähige Formen kommunaler Daseinsvorsorge nehmen weiter zu; die politische eindeutige Vorgabe, ambulante Hilfsangebote vor stationären Versorgungsformen zu etablieren, schließen sich der gesellschaftlichen Entwicklung an: Quartiersbezogene Unterstützungssysteme für generationengerechte Kommunen sollen das immer noch weit verbreitete sektorale Denken und Handeln ablösen –  Netzwerkarbeit tritt in den Vordergrund. Hierbei ist die Entwicklung breiter und tragfähiger Rahmenbedingungen gleichsam schwierig zu realisieren wie dringend geboten (vergl. u.a. KOTTNIK 2011: 3 ff).

Auch das Feld der stationären Altenhilfe befindet sich in einem tiefgreifenden Paradigmenwechsel mit weitreichenden Folgen: Sowohl Form und Inhalt der Leistungserbringung, wie auch die Leistungsangebote werden auf vielen Ebenen neu definiert; Die Berufsbilder wie auch das Berufsverständnis im Bereich der sozialen Unterstützungs- und Versorgungsleistungen stehen damit ebenso aus der Perspektive der Leistungserbringer wie auch aus dem Blickwinkel der Leitungsempfänger vor umfangreichen Veränderungen; In vielen Bereichen werden tradierte Formen der Mitarbeiter- und Betriebsführung in weiten Teilen in Frage gestellt (vergl. hierzu auch BARTHOLOMEYCZIK 1997: 13 ff). Das Klientel von Einrichtungen der stationären Altenhilfe verändert sich ebenfalls auf mehreren Ebenen: Die Aufnahme von HeimbewohnerInnen erfolgt zunehmend häufiger erst mit bereits fortgeschrittenem pflegerischen Versorgungserfordernis – aufgrund des Ausbaus häuslicher Versorgungsformen kann trotz Pflegebedürftigkeit oftmals das Verbleiben in der eigenen Häuslichkeit gewährleistet werden. Gleichzeitig tritt auch die Bedeutung der Selbstbestimmung immer mehr in den Vordergrund der stationären Einrichtungen: „Die […] kritische Diskussion des Autonomieprinzips hat deutlich gemacht, dass auch in Altenpflegeheim Fürsorge, Achtsamkeit, Privatheit, das Vermeiden von Schaden oder Fragen der Gerechtigkeit von hoher moralischer Bedeutung sind und nicht selten in Konflikt mit dem Respekt vor der Autonomie des Heimbewohners geraten“ (TROST et al., 2015: 70). Um diesen Veränderungen begegnen und als Dienstleister weiter bestehen zu können, ist ein Umdenken im Bereich der stationären Altenhilfe dringend geboten und unumgänglich. Die aus den frühen 1980er Jahren nachhallende Forderung nach einer Öffnung der Pflegeheime (vergl. u. a. HUMMEL, WENDT, JUNKER und viele weitere mehr) stellt weit mehr dar als ein harmonisch – revolutionäres Anerkennungsbestreben des Berufsstandes der Altenhilfe dar: Im Vordergrund steht heute allem voran die Erkenntnis, dass es breit aufgestellter und eng vernetzter Unterstützungskonzepte bedarf, um eine tatsächlich bedarfsgerechte Versorgungssituation zu erreichen. Die Integration und Verzahnung der Dienstleister mit dem umliegenden Gemeinwesen und dessen Akteuren erscheint hierbei nicht mehr und nicht weniger als folgerichtig.

Die zu verfassende Arbeit befasst sich zunächst mit einer Beschreibung der Ausgangslage. In Form von begrifflichen Verortungen und geschichtlichen Überblicken werden die Begrifflichkeiten des Gemeinwesens und der stationären Altenhilfe konkretisiert. Daran anschließend folgt die Formulierung der Fragestellung. Entsprechend der Problemstellung steht im Mittelpunkt der Arbeit die Frage, welche Möglichkeiten bestehen, die Pflegeheime in örtliche Planungsstrategien der Pflegeinfrastruktur mit einzubeziehen und was es hierbei zu beachten gilt (siehe hierzu u.a. auch KLIE 2015: 20).

Die Bearbeitung der Fragestellung erfolgt durch eine Darstellung von Konzepten und Ansätzen zum Gegenstand. Die hierdurch entwickelten Einschätzungen und Erkenntnisse zu den Chancen und Grenzen der Gemeinwesenorientierung im Bereich der stationären Altenhilfe sollen abschließend als eine Art Handlungsempfehlung zusammenfassend dargestellt werden. Dies allerdings wohlwissend vor dem Hintergrund, dass aufgrund der jeweiligen individuellen und situativen Kontexte allgemeingültige Aussagen nur in begrenztem Umfang möglich sind.